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Samstag, 12. August 2017

Review: Wacken Open Air 2017


Wenn in Wacken die Kühe in die Nachbardörfer umgesiedelt werden und die Omas im Klappstuhl mit den Metal Horns aus dem Vorgarten grüßen, dann ist wieder Zeit für das größte Heavy Metal Festival Deutschlands! Für mich ging es Anfang August zum 3. Mal ins Holy Wacken Land und ich kann euch vorweg sagen: ich hatte einmal mehr eine großartige Zeit.
Für eine Zusammenkunft dieser Art fährt man gerne die -kein Scherz- 666km gen Norden ins beschauliche Dorf bei Itzehoe. Zwischen Schnaps, Schlamm und immerhin ein paar gesehenen Bands gab es mal wieder viel zu entdecken.

Wusstet ihr eigentlich, dass man vom Schlammwaten Muskelkater bekommen kann? Der Wackenbesucher kann euch ein Lied davon singen.

Die Mecklenburgische Seenplatte, hier zu sehen in Schleswig-Holstein.
Und dabei war das Wetter für die nordischen Verhältnisse garnicht so schlecht. Leider reicht in Wacken eine gute Stunde Starkregen aus, um die Campgrounds komplett zu fluten und das Infield zu einem Schlachtfeld zu machen. An einigen Stellen habe ich selbst mit Gummistiefeln kurz gezögert, weil ich gefürchtet habe, dass mir die Suppe oben rein läuft. Von den Untergrundverhältnissen lassen sich in Wacken allerdings nur die wenigsten Leute beeindrucken. Obwohl der Altersschnitt deutlich höher als auf anderen deutschen Festivals liegt, steht die Party rund um die Metalmusik stets im Vordergrund, vor allem in der beschaulichen Ortschaft.

Kurzer Abstecher nach Bora Bora.
Die eine, große Hauptstraße ist für die gesamte Woche ein gigantisches Straßenfest, bei dem die Anwohner in ihren Vorgärten und Hofeinfahrten Bars aufbauen, auf die jede Kneipe neidisch wäre. Bei mehr als humanen Preisen lässt es sich dort natürlich aushalten. Highlight des Dorfausflugs war der Besuch des Full Metal Gottesdienstes. Mein letzter Kirchbesuch liegt bestimmt zehn Jahre zurück, dennoch stand der Metal-Gottesdienst schon seit Jahren auf meinem Must-See-Programm in Wacken. Da dieses Jahr dann auch noch der Kirchenchor aus MEINEM Kuhdorf zu Gast war, gab ich mir also redlich Mühe, den Termin dieses Mal zu schaffen.
Auch wenn der Umtrunk im Dorf wie immer umfangreich war schafften wir es rechtzeitig in die kleine Wackener Kapelle. Der Kirchenchor aus meinem Heimatort trällerte, zu meiner großen Verwunderung, auf verdammt hohem Niveau Klassiker von Led Zeppelin, Metallica und Rammstein und wusste zu überzeugen.

Auch das Rahmenprogramm auf dem Festival war mit diversen Lesungen, Wrestling, Comedy, Kampfkursen und etlichen Attraktionen im Wackinger Village wieder breit aufgestellt. Hier will ich unbedingt das Metal Yoga rausgreifen. Jeden Morgen um 11 konnte man im "Welcome to the Jungle" Zelt, direkt am Haupteingang, beim Frühsport mitmachen. Bei entsprechender musikalischer Untermalung fanden sich zu meiner Überraschung etliche Metalheads (und ja, auch ne Menge Männer!) mit Isomatten ein, die den Anweisungen einer shoutenden Instruktorin lauschten. Da wurden kurzerhand Sonnengrüße mit Metal-Horns aufgepeppt und ein Circle Pit Training gab es oben drauf. Absolut starke Geschichte!
Astral Körper lösen die Verspannungen vom Headbangen.

Bandtechnisch hatte ich mir viel vorgenommen. Und mal wieder viel verpasst.
Im Vorfeld erlitt ich große Gehirnkrämpfe bei der Überschneidung Marilyn Manson versus Turbonegro. Letztendlich wollte ich mich vor Ort spontan entscheiden, was ich dann auch unfreiwillig tat: das Schnapsfrühstück zwang mich zu früher Bettruhe. Im Nachhinein kann ich nur schmunzeln, wenn ich mir die Youtube Videos ansehe, auf denen Herr Manson sich einfach weigert zu musizieren und abwechselnd Kauderwelsch ins Publikum brüllt und Leute beleidigt. Alles richtig gemacht!
Seit diesem Jahr mit neuen Namen: Die Hauptbühnen. Was einst "True", "Black" und "Party" Stage waren, sind heute "Faster", "Harder" und "Louder". Passt!

Gesehen habe ich neben den Altrockern von Status Quo und dem letzten Teil von Europe (Final Countdown hat ohnehin gereicht) unter anderem auch Apocalyptica. Vier Dudes mit Cello spielen Metallica Songs, aber mehr als nettes Untermalunsprogramm zum Getränkekonsum war es nicht.
Überzeugt auf ganzer Linie haben mich mal wieder Heaven Shall Burn, von denen ich es nicht anders gewohnt bin. Bei sonnigem Wetter haben die Jungs aus Jena am Samstagnachmittag auf der Harderstage die Massen mobil gemacht. Ebenso positiv hervorheben will ich das Wacken Urgestein Mambo Kurt, die neu entdeckten Dark Metaller von Katatonia, sowie den herrlichen Death Metal zum Frühstück von Possessed.
Enttäuscht haben mich einmal mehr Volbeat, die zwar ein auf dem Papier tolles Set hatten, aber eine im wahrsten Sinne des Wortes lahme Show ablieferten. Das meine ich nichtmal übertragen, sie haben es tatsächlich fertig gebracht, alle ihre Songs langsamer zu spielen. Bei Fallen sind mir fast die Füße eingeschlafen. Schade drum.



Ebenfalls erwähnenswert sind die kulinarischen Verköstigungen im Wackinger Village, dem Mittelalter-Dorf direkt am Gelände. Zwischen Spielmännern und Gauklern finden sich hier die kulinarischen Highlights der Festivalküche. Kesselgulasch mit Spätzle, Pfannenbrot mit Knoblauch und ofenfrische Flammkuchen waren die diesjährigen Headliner der Speisekarte. Absolute Empfehlung für jeden, der in den nächsten Jahren einen Trip nach Wacken plant! Toller Geschmack und absolut humane Preise sind garantiert, weswegen das Wackinger längst kein Geheimtipp mehr ist, wenns ums Essen geht.

Zusammenfassend bin ich mir sicher, dass das Wacken auch trotz seiner drastischen Preiserhöhung in diesem Jahr immer noch die beste Anlaufstelle für diejenigen ist, die auf der Suche nach einem Metalfestival mit Charakter sind. Der unbestreitbare Charme des Dorfes und die vielen kleinen Details, die liebevoll an jeder Ecke blitzen, machen dieses Festival einfach einzigartig. Man spürt zu jeder Zeit, dass dies ein Produkt von jeder Menge Herzblut ist. 
Jedem Fan der Metalmusik würde ich einen einmaligen Besuch des Festivals wärmstens empfehlen, denn ich bin mir sicher, dass es bei dem einen nicht bleiben wird. Auch mich wird es bei passendem Terminkalender auch immer wieder in den Norden verschlagen, da halten mich auch keine knapp 700m Anreise ab - denn das Festival ist es einfach wert.
Faster, Harder, Louder! See you in 2018, Metalheads!

 

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