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Sonntag, 29. Oktober 2017

Kraftklub • KNFN Tour • Westfalenhalle, Dortmund • 28.10.2017

Schon vor der Tour war klar, dass sich Dortmund, als eine der größten Shows der Tour, perfekt für einen Abend im Moshpit eignet. Wenn ich den gestrigen Tag so reflektiere, kann ich uns für diesen Beschluss nur kräftig bejubeln und feststellen: alles richtig gemacht. Als wir kurz vor Einlass an der monströsen Halle ankamen, zeigte sich das Wetter von seiner schlechtesten Seite und an den Schleusen tummelten sich dennoch die Massen. Selten hat es sich so gut angefühlt, erst kurz vor Einlass zu erscheinen.


Und es ist schon wieder Winter

Der Sturm, der gerade vor allem den Norden Deutschlands außer Gefecht setzt, machte auch vor Dortmund keinen Halt. Neben Regen, der quer geflogen kam und vom Wind zerstäubt wurde wie ein Parfum, herrschten unfassbar unangenehme Temperaturen. Beim Gedanken daran, dass ich letzte Woche noch mehrfach im Shirt vor den Einlässen saß, bekomme ich Frostbeulen. Das Wetter hielt in Dortmund allerdings kaum einen ab, schon früh die Stellung vor der Westfalenhalle zu halten. Auch aus meinem Freundeskreis haben viele Mädels (und zwei Bois, Grüße) das Spektakel auf sich genommen, trotz der vielen Schleusen und des Mistwetters die Mission erste Reihe zu versuchen. Mit Schlafsäcken, Campingstühlen und dem altbekannten Zwiebelprinzip ist das zwar machbar, aber immer noch furchtbar unangenehm. Stutzig macht mich da die Tatsache, dass vor der Halle jede Menge junger Mädels lediglich in Strumpfhosen und Pullovern waren, für die das Rote Kreuz eine Art Auffangstation in Form eines Zeltes errichten musste, damit sie keine Erfrierungen davon tragen. Ich mag jetzt vielleicht wie eine nervige, eingerostete Altmutter daherkommen, aber: das ist schlicht und ergreifend nicht cool! 



Es ist überhaupt nichts dabei, auch bei schlechtem Wetter Tage vor Hallen zu verbringen, um einen guten Platz zu bekommen. Es ist auch nichts dabei, wenn man in der Halle vielleicht gut angezogen bzw. gut aussehen möchte. Aber es ist schon was dabei, wenn man seine Gesundheit aufs Spiel setzt. Leute, nehmt euch Decken mit, packt euch in Schlafsäcke oder nehmt zur Not die alte Winterjacke mit, die ihr eh nicht mehr braucht. Es hat keiner was davon, wenn das Rote Kreuz anrücken muss, weil ihr erfriert. Euch wird vor der Halle kein Mensch auslachen, weil jeder vor dem gleichen Problem mit der Kälte steht. Im Zweifel ist es doch auch egal, wie ihr den Tag da rumlümmelt. Die Menschen, auf die es euch ankommt, sehen euch doch ohnehin erst drinnen? 

Ich selbst bin schon oft wie der letzte Obdachlose vor Hallen gesessen. Bestimmt dachte sich der ein oder andere da auch, was ich für ein Opfer bin. Aber wisst ihr was? Mein Tag war angenehm. Ich hatte es warm und halbwegs entspannt und konnte mir sicher sein, am nächsten Tag nicht mit Blasen- und Lungenentzündung out of order zu sein. Eigentlich sollte das, was ich hier rauszustellen versuche, normal sein. Ein Einsatz vom Roten Kreuz ist das wiederum nämlich nicht. Wahrscheinlich werde ich jetzt auf Twitter und in irgendwelchen Whatsapp Gruppen hart zerrissen, aber denkt einfach mal drüber nach, ob ihr es für sinnvoll haltet, dass Leute vom Roten Kreuz ihre Zeit mit Wärmezelten verschwenden müssen, wenn es sicher irgendwo in der Stadt auch Leute gäbe, die auf wirkliche Hilfe angewiesen sind. Das ist einfach eine Sache, die sich vermeiden lässt, ohne großen Aufwand für jeden Einzelnen. Was ich damit sagen möchte: zieht euch warm an, bringt euch Decken mit und schützt euch irgendwie vor der Kälte. Alles andere ist fahrlässig. 

Zwischen Klischee & guter Stimmung

Schon von weitem hörte man die Gesänge vor der Westfalenhalle. Das Fußball-Image ist in Dortmund genauso stark vertreten, wie man es sich im Rest des Landes so ausmalt. Zwar sind Fußballgesänge vor einer Kraftklub Show durchaus ein wenig fehl am Platze, dennoch sind Gesänge vor einem Einlass aber ein guter Indikator dafür, dass die Stimmung später richtig gut werden kann. Diesen Eindruck bestätigte der Crowdsurfer, der einfach mal über die Warteschlange hinwegschwebte. Sowas sieht man auf jeden Fall nicht jeden Tag, aber das lässt sich generell über die komplette Einlasssituation in Dortmund sagen.



Gefühlt von allen Seiten jede Menge Schleusen, Menschen die sich drängen und wie ich mir im Nachhinein erzählen ließ, auch viele Leute, die sich ziemlich daneben benommen haben. Ich finde es schade, dass es immer wieder Leute gibt, die kurz vor Einlass kommen und sich ohne Rücksicht auf Verluste vorboxen und auch noch grob werden, um möglichst weit nach vorne zu kommen. Mir ist durchaus bewusst, dass es kein Gesetz gibt, was früh da sein mit guten Plätzen belohnt, aber es hat in meinen Augen etwas mit Respekt zu tun, wenn man sich hinten anstellt und die Leute, die offenbar schon sehr lange vor Ort sind, auch ganz vorne am Einlass stehen lässt. Fairness für alle! Jetzt aber genug Oberlehrer-Meinungen meinerseits und hin zur Show.

Die war nämlich gestern richtig fett! So langsam kristallisiert sich ein Muster in der Setlist heraus, was mir glücklicherweise sehr gut gefällt. Ein grobes Gerüst umrahmt einige Wechsler-Songs und ich kann nur unterstreichen, dass die Setlist in der Form ein absoluter Stimmungsmacher ist. Wie bereits am Einlass vermutet, bestätigte sich auch bei der Vorband die gute Stimmung. Seit Bremen wurden Gurr von Von Wegen Lisbeth abgelöst, die sicherlich den meisten Leuten, die sich mit deutschsprachiger Musik beschäftigen, mittlerweile ein Begriff sein müssten. Gefühlt sind sie über den Sommer fast schon zu groß für den Vorband Slot geworden, was sich auch darin bemerkbar macht, dass ich jeden Song in ihrem Set kenne, auch wenn ich nie bewusst was von ihnen angehört habe. Die Band kam sehr gut an, was sicherlich auch an den super eingängigen Songs liegt, die sich wie ein Korkenzieher ins Gehirn bohren. Mir sind sie prinzipiell ein bisschen zu lasch, aber das ist wirklich der Tatsache geschuldet, dass ich dem reinen Popgenre einfach nicht so viel abgewinnen kann. Für mich sind die Kraftklubs ja schon ein Ausreißer ins "Softe", daher: nicht verwunderlich. Dennoch werde ich die nächsten Tage sicher meinen Spaß mit ihnen haben, vielleicht auch, weil Inga mich noch mehrfach im Auto zwingen wird, Musik von ihnen anzuhören. Ich werde berichten!

Gestern habe ich mir die ersten drei Songs der Kraftklubs von der Seite aus angesehen, wo sich eine herrliche Sicht auf die Bühne und zugleich die sehenswerte Halle bot. Die Ränge sind in Dortmund nämlich nicht gestaffelt, wie in einer klassischen Sporthalle, sondern geschwungen. Das bringt schon im leeren Zustand eine Dynamik in die Halle und lässt sie auf jeden Fall sympathischer wirken, als manch andere Venue. Mit Hallo Nacht hat sich der für mich optimale Opener durchgesetzt, da die Stimmung direkt hochgeht aber es kein Hit der klassischen Art ist, der später im Set fehlen würde. Wie bereits mehrfach erwähnt, macht es großen Spaß, verschiedene Blickwinkel auf die Show zu genießen und sich selbst dabei zu beobachten, wie man manche Stellen im Set oder generell auch manche Songs anders bewertet, je nachdem wo man steht. Hier wird besonders auch der Kontrast erste Reihe versus Moshpit deutlich. Wenn ich zum Beispiel vorne ab dem zweiten ruhigen Song eher genervt bin, frohlocke ich im Pit über die Verschnaufpause. Und das ist jetzt nur eines der Beispiele, was sich rational erklären lässt. Wir beobachten auch das Phänomen, dass wir Konzerte komplett unterschiedlich bewerten, obwohl wir direkt nebeneinander standen. Aber das nur als Hinweis, wie subjektiv und von der eigenen Tagesform abhängig so eine Rezeption einer Show eigentlich ist - das möchte ich aber in der kommenden Woche noch einmal näher aufgreifen. Sollte ich es im Eifer der Ereignisse vergessen - ein Reminder wäre nett.



Beim Hauptact des Abends war die Stimmung ebenso gut, auch wenn der vordere Wellenbrecher, wie bereits in Stuttgart, nicht unbedingt ausreichend befüllt war. Deutlich wurde dies auch, wenn man einen Blick von den Rängen nach unten nahm, wie wir es während dem B-Stage Teil gemacht haben. Eine nette Geschichte des gestrigen Abends ist auch die vom jungen Mann, der das Glücksrad drehen durfte. Dieser war nämlich niemand geringeres als Börger, der Papa von Vanessa, die ich nun auch schon eine ganze Weile kenne und damals beim Saftklub kennenlernte. Nach einem Tag vor der Halle überließen die Mädels ihre Plätze nämlich Vanessas Eltern, die ebenso große Anhänger der Band sind, wie wir alle. Gekrönt wurde diese großartige Aktion dann vom Glücksrad-Dreh, der einmal mehr das Ergebnis Scheissindiedisko zeigte. Feine Sache kann ich da nur sagen - ich mag Leute mit Humor, ich mag irrwitzige Aktionen und ich mag vor allem Leute, die junggeblieben sind und jeden Scheiß mitmachen. Daumen hoch für alle Beteiligten, ich habs hart gefeiert!

Die zweite nette Geschichte des Abends war dann ein Heiratsantrag inmitten eines riesigen Circle Pits. Nach kurzer Anmoderation durch Felix kniete ein junger Mann vor seiner sichtlich aufgelösten Freundin nieder, während das Publikum fleißig den Hey Jude Teil sang. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Kitsch und Schnulz verabscheue, aber das fand ich dann doch sehr niedlich.
[Julian, falls du das gerade zufällig liest und möglicherweise auf eine Idee gekommen bist, bitte mach das auf GARKEINEN FALL! NIE! Sonst bring ich dich um, danke]

Zeit, Bilanz zu ziehen: es war erneut ein sehr schöner Abend in Dortmund, geprägt von guter Stimmung, die jedoch nicht ganz an die Eskalation aus Münster heran kommt. Da wirkte das Publikum für mich einfach noch eine Schippe wilder und ich war wahrscheinlich auch körperlich in besserer Verfassung. Gestern machte mir mein Kreislauf dann doch mehr zu schaffen, als mir recht war, aber eine eiskalte Cola wusste Schlimmeres zu verhindern. In meinem persönlichen Tour Ranking nimmt die Show einen soliden Mittelfeldplatz ein und teast zum Ende von Tourwoche zwei endlich wieder eine kleine Show an. Am Montag gehts ins bereits angesprochene Übel&Gefährlich in Hamburg, dem letzten Klub auf dieser Tour. Ich freue mich schon jetzt auf einen eisgekühlten Gin Tonic vor dem Konzert, da wir am Tag danach nicht in die nächste Stadt fahren müssen, sondern entspannt in Hamburg für Konzert Nummer 2 verweilen können.

Auf in Tourwoche 3, ich hab Bock!

Kommentare :

  1. Huhu :)
    Hab dich in Dortmund im ersten Wellenbrecher gesehen und kurz angetippt, falls du dich erinnerst.
    Einen sehr schönen Blog hast du da, habe deine Beiträge auch im
    Ringrocker Forum und bei Instagram schon länger verfolgt.
    Deine Beschreibung von Dortmund kann ich nur so unterzeichnen, die Aktionen in der Warteschlange waren echt amüsant und die Stimmung während des Konzerts super!
    Schöne Grüße und noch eine tolle Tour dir :)

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    1. Ahhh, ich erinner mich! Danke für dein Lob! Viele Grüße 😊

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  2. Wo packt ihr den wenn es los geht euren ganzen Kram hin? Schlafsäcke Campingstühle usw? Oder habt ihr jeden Tag alles neu dabei?

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    1. Automobil ist hier das entscheidende Stichwort.

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  3. Hey,
    erstmal danke für den Blog, sehr interessant zu lesen. Ich bin nämlich 16 Jahre alt und am Samstag gibt es für mich das erste Kraftklub Konzert, eigentlich sogar überhaupt das erste Konzert. Dementsprechend bin ich noch sehr unerfahren und habe deswegen 2 Fragen. :)
    1. Um wie viel Uhr sollte man denn kommen, um so im 1/3 zu sein? Einlass ist ja schon 2 Stunden vor Beginn, reicht das?
    2. Gibt's da ein Problem mit den Jacken...verliert man wenn man zur Garderobe geht safe die guten Plätze?
    Vielen Dank schonmal:)

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